Ruth Kilroy, eine Nachfahrin der Familie Lion zu Besuch in Spiesen

Ruth Kilroy ist eine Tochter von Eva Bertha Lyon (Ora Lachich) und Enkelin von Franz Lyon und Ruth Frohwein. Ihre Mutter fuhr am 30.1.1939 als 16-jährige mit einer Gruppe gleichaltriger jüdischer Jugendlicher von Deutschland nach Palästina, wo sie in einem Kibbuz Aufnahme fand und vor Verfolgung sicher war. Ihre Eltern sah sie niemals wieder und lernte auch nie ihre Großeltern kennen, denn Franz Lyon starb 1941 in Berlin an einer Lungenentzündung und seine Frau Ruth wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Ruth Kilroy besuchte am 21.4.2026 mit ihrer Offenburger Freundin Christine Radke Spiesen, den Herkunftsort ihrer Lion - Vorfahren. Begleitet und organisiert wurde der Besuch von Stephan Friedrich, der sich 2022 in einem Artikel („Franz Lyon – ein jüdischer Jurist aus St. Ingbert“, in: St. Ingberter Stadtgeschichten Bd. 2) intensiv mit Franz Lyon und seiner Familie befasst hatte und bei Recherchen den Kontakt  zu Ruth Kilroy herstellen konnte, die schon seit vielen Jahren in Boston, USA lebt. Einem kleinen Rundgang um Lions Haus folgte ein Empfang bei Bürgermeister Bernd Huf, wo Ruth von ihrem Leben im Kibbuz und vom Lebensweg ihrer Mutter erzählte, die 2012 in einem Dokumentarfilm mit anderen, die als Jugendliche nach Palästina gekommen waren, porträtiert wurde. In dem Film berichtet sie  von ihrer Flucht aus Deutschland und ihrem Leben ohne ihre Eltern im Kibbuz Ma´Abarot. (Film: „Erhobenen Hauptes, (Über)Leben im Kibbuz Ma´Abarot“ auf Youtube.com) Ebenfalls anwesend bei ihrem Besuch war Eva Bacher, eine Lehrerin des Albertus-Magnus Gymnasiums in St. Ingbert und Leiterin eines Schülerprojekts, das sich mit dem jüdischen Leben in St. Ingbert befasst, und über die jüdischen Familien Bezüge zu Spiesen hat. Nach dem Besuch im Rathaus ging es ins Heimatmuseum, wo die Ausstellung zu den jüdischen Familien Spiesens Ruth sehr bewegte, denn es war ein Blick in die Vergangenheit und das Leben ihrer Vorfahren. Sie freute sich darüber, Lions Haus zu besichtigen, den Ort, den ihre Vorfahren bewohnten, denn sie ist eine direkte Nachfahrin Isaac Lions, einem Bruder Theobald Lions, nach dem Lions Haus benannt ist. Der Besuch schloss ab mit dem jüdischen Friedhof in St. Ingbert, wo der Grabstein ihrer Urgroßeltern Joseph Lyon und  Bertha Salomon steht. Joseph Lyon war in den 1880er Jahren von Spiesen nach St. Ingbert gezogen, wo er in der Kaiserstraße 104 ein Textilgeschäft hatte. Ruth Kilroy verließ Spiesen mit vielen emotionalen Eindrücken und einer Fülle neuer Informationen zur Geschichte ihrer Familie, über die sich ihre Kinder ebenfalls freuen werden, denn ihr Interesse an dem Schicksal ihrer Familie ist groß. Die Verbindung Spiesens zu Ruths Familie ist eine Bereicherung zur Erforschung der jüdischen Familien in Spiesen und wird zukünftig weitere Erkenntnisse bringen. Die Pflege der Beziehungen zu den Nachfahren der vertriebenen oder ermordeten jüdischen Mitbürgern unserer Gemeinde ist ein wichtiger Aspekt unserer Erinnerungskultur.

Stephan Friedrich