Die Vertreibung der jüdischen Familien aus Spiesen ab 1935 und die spätere Ermordung vieler führte zur Vernichtung und Zersplitterung der Familien. Manche flüchteten in sichere Länder Europas, andere suchten Schutz in Amerika. Dr. Steven Holtz aus San Francisco kam in Begleitung seiner Frau Helen und seinen Großcousins Gilbert und Raoul Meyer, die in Strasbourg wohnen, nach Spiesen, wo seine Vorfahren mütterlicherseits etwa ab 1800 lebten. Umfangreiche Recherchen führten die Familienzweige wieder zusammen, als Steven Holtz am Donnerstag von den USA in Strasbourg eintraf und seine Verwandten zum ersten Mal traf. Gemeinsam kamen sie am Freitag, 26.6.26 nach Spiesen, um den Ort kennenzulernen, in dem ihre Vorfahren lange gelebt hatten. Empfangen wurden sie von Wolfgang Keller, dem Vorsitzenden des Heimatvereins und Stephan Friedrich. Nach einem Besuch des jüdischen Friedhofs auf der Spieser Höhe ging es in Lions Haus zu einer Erfrischung, langen Gesprächen und einem Gang durch unser Museum, wobei die Ausstellung zu den jüdischen Familien der Schwerpunkt war. Die Besucher trugen sich in unser Gästebuch ein und Steven Holtz schrieb einige nachdenkliche Sätze: „Es ist voller Erstaunen und Offenbarung, an einem so bedeutungsvollen Ort auf der Welt zu sein, aus dem unsere Vorfahren stammten, und ihn mit lange verschollenen Verwandten zu teilen, die uns an die Meyers, Mayers, Lions und andere erinnern – Menschen, die über die Provinzen längst untergegangener Reiche verstreut sind, in denen unsere Familien einst gediehen. Vielen Dank an Stephan und alle anderen, die diesen Ort voller Geschichte und Bedeutung geschaffen haben.“ Den Abschluss des Besuchs bildete ein gemeinsames Essen in der Villa Bellini in Lions Haus. Bürgermeister Bernd Huf konnte dieses Mal aus Termingründen leider nicht dabei sein, doch er ließ Grüße ausrichten und einige Gastgeschenke als Erinnerung an Spiesen übergeben. Der Besuch der Meyer - Nachfahren ist seit 2012 der achte Besuch von Nachfahren jüdischer Familien aus Spiesen und sie kamen aus Frankreich, Israel, Schweden und den USA. Was diese Besuche miteinander verbindet, ist die emotionale Ergriffenheit der Besucher, die zu einem Ort kommen, der lange die Heimat ihrer Familien war, aber auch der Ausgangspunkt für ihre Flucht ins Unbekannte oder die Deportation in den Tod, denn die Geschichten ihrer Familien in jener Zeit beinhalten Glück, Tragik, Verzweiflung und manchmal alles. Ausgehend von der Forschungsarbeit in Spiesen suchen die jüdischen Familien weiter und immer wieder gibt es glückliche Entdeckungen von verschollenen Verwandten überall in der Welt und die Verbindungen werden neu geknüpft – manchmal in Lions Haus in Spiesen.
Stephan Friedrich


