Spiesen-Elversberg, 23. Juli 2026. Mehr Raum für das Wasser, vielfältigere Lebensräume und ein aufgewerteter Erholungsraum: Die Renaturierung des Spieser Mühlenbachs ist abgeschlossen. Gemeinsam mit der Gemeinde Spiesen-Elversberg und den beteiligten Projektpartnern stellte die Landschaftsagentur Plus die Maßnahme am Donnerstag bei einem Pressetermin vor. Zu den Rednern gehörten unter anderem Sebastian Thul, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes, sowie Bernd Huf, Bürgermeister der Gemeinde Spiesen-Elversberg.
Der Spieser Mühlenbach – im Gemeindegebiet auch als „Spiesener Mühlenbach“ bezeichnet – prägt die Talaue zwischen Spiesen und dem Spieser Mühlental. In Teilbereichen war das Gewässer über Jahrzehnte technisch überformt: Der Bach war begradigt, eingeengt und mit Steinen oder baulichen Anlagen befestigt. Es fehlten naturnahe Ufer, flache Randbereiche und abwechslungsreiche Strukturen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Zugleich bestand die Gefahr einer weiteren Tiefenerosion.
Mehr Raum für Wasser und Natur
Die Landschaftsagentur Plus plante und begleitete die Renaturierung. Auf rund 1,5 Hektar hat das Team von Standortleiter Friedrichsthal, Michael Boes, den Bachlauf in mehreren Abschnitten naturnah umgestaltet. Die Umsetzungn übernahm die Firma Floratec: Sie flachte Uferböschungen ab, hob leichte Gewässerschlingen aus und baute Wanderhindernisse im Bachbett zurück. So sind unterschiedliche Strömungsbereiche, flache Uferzonen und neue Rückzugsräume entstanden.
Von den neuen Strukturen im Bach, der nicht ganzjährig Wasser führt, sollen künftig wassergebundene Kleinstlebewesen und auch die Ufervegetation profitieren. Das Projekt ist unterm Strich auch ein Plus für das Landschaftsbild und den Naherholungsraum.
Beitrag zur Klimafolgenanpassung
Begradigte und eingeengte Fließgewässer wie es der Spieser Mühlenbach über viele Jahre war, leiten bei Starkregen Wasser häufig ungebremst aus der Landschaft ab und können so oft zu Hochwasser führen. Naturnähere Gewässer und ihre begleitenden Auen können Wasser länger im Gewässer- und Landschaftsraum halten, Abflussspitzen dämpfen und durch Versickern das Grundwasser anreichern. Die Renaturierung ist damit auch ein Baustein für klimaresilientere Landschaften. Allerdings ersetzten die Maßnahmen keine umfassende Hochwasser- und Starkregenvorsorge.
Sebastian Thul, Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium:
„Am Spieser Mühlenbach wird ganz konkret sichtbar, wie die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vor Ort umgesetzt werden. Der Bach bekommt wieder mehr Raum, seine Struktur wird vielfältiger und es entstehen bessere Bedingungen für gewässertypische Lebensräume. Gleichzeitig unterstützt die Renaturierung den natürlichen Wasserhaushalt und leistet einen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Dass Gemeinde, Landschaftsagentur Plus, Flächeneigentümer und weitere Partner hier gemeinsam gehandelt haben, zeigt, wie Gewässerentwicklung im Saarland praktisch gelingen kann.“
Mehrfacher Mehrwert für Spiesen-Elversberg
Für die Gemeinde verbindet das Projekt ökologische Aufwertung mit einem sichtbaren Nutzen für die Menschen vor Ort. Der Bach und seine Talaue gewinnen als Natur- und Erholungsraum an Qualität.
Bernd Huf, Bürgermeister der Gemeinde Spiesen-Elversberg:
„Mit der Renaturierung des Spieser Mühlenbachs investieren wir in die Zukunft unserer Gemeinde. Der Bach bekommt wieder mehr Platz, die Natur wird aufgewertet und zugleich gewinnt das Spieser Mühlental als Erholungsraum für unsere Bürgerinnen und Bürger. Das Projekt zeigt, wie ökologische Entwicklung, Klimafolgenanpassung und kommunaler Nutzen sinnvoll zusammenkommen können.“
Reale Kompensation auf realen Flächen
Die Renaturierung wurde als Ökokonto-Projekt realisiert. Die dadurch erzielte ökologische Aufwertung wird in Form von Ökopunkten dokumentiert. Diese können im Rahmen konkreter Genehmigungsverfahren zur Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in die Natur eingesetzt werden, zum Beispiel als Ausgleich für neue Wohn- und Gewerbegebiete.
Nicole Büsing, Geschäftsführerin Landschaftsagentur Plus GmbH :
„Der Spieser Mühlenbach macht sichtbar, worum es uns auch in der Debatte um das Infrastruktur-Zukunftsgesetz geht: Beschleunigung und wirksamer Naturschutz sind kein Widerspruch, wenn reale Kompensation frühzeitig vorbereitet wird. Hier ist auf einer konkreten und dauerhaft gesicherten Fläche ein hochwertiger Lebensraum entstanden. Die daraus hervorgehenden Ökopunkte schaffen Planungssicherheit für Wohnbau- und Infrastrukturvorhaben. Genau solche Projekte zeigen, dass Realkompensation praktisch funktioniert und Entwicklung planbarer macht.“
Konkrete Wirkung am Gewässer
Die abgeflachten Ufer schaffen neue Übergangszonen zwischen Wasser und Land. Die Gewässerschlingen erhöhen die Strukturvielfalt und ermöglichen unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertiefen.
Michael Boes (Standortleiter Friedrichsthal, Landschaftsagentur Plus):
„Am Spieser Mühlenbach zeigen wir, was hochwertige Kompensation auf einer realen Fläche leisten kann. Durch flachere Ufer, neue Gewässerschlingen und den Rückbau von Wanderhindernissen haben wir die Strukturvielfalt im Bach und in der Talaue deutlich verbessert. Damit entstehen neue Lebensräume, und zugleich gewinnt das Spieser Mühlental als Landschafts- und Erholungsraum.“
Die Renaturierung endet nicht mit dem Abschluss der Bauarbeiten. Die weitere Entwicklung der Fläche wird langfristig begleitet. Pflege, Beobachtung und bei Bedarf fachliche Nachsteuerung sollen dazu beitragen, dass sich die angestrebten ökologischen Funktionen dauerhaft entwickeln.
Gemeinsames Zeichen für den Artenschutz
Im Rahmen des Pressetermins wurden außerdem zwei aus Baumstämmen gefertigte Nisthilfen auf der Fläche angebracht. Die Aktion ergänzt die Gewässerrenaturierung um ein sichtbares Element für den Artenschutz und steht zugleich symbolisch für die gemeinsame Verantwortung der Projektpartner.
Die Landschaftsagentur Plus dankt der Gemeinde Spiesen-Elversberg, dem saarländischen Umweltministerium, den beteiligten Grundstückseigentümern, Vorhabenträgern sowie den weiteren Planungs-, Ausführungs- und Projektpartnern für die Zusammenarbeit.
Hintergrund: Was ist ein Ökokonto?
Ein Ökokonto ermöglicht es, fachlich anerkannte Naturschutz- und Aufwertungsmaßnahmen bereits vor einem konkreten Eingriff umzusetzen. Die dadurch erzielte ökologische Aufwertung wird nach den jeweils geltenden fachlichen und rechtlichen Vorgaben bewertet und in Form von Ökopunkten dokumentiert.
Diese Punkte können später im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens zur Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in Natur und Landschaft eingesetzt werden. Die konkrete Anerkennung, Anrechenbarkeit und Zuordnung erfolgt durch die zuständigen Stellen im jeweiligen Verfahren.
Projekt auf einen Blick
Projekt: Renaturierung Spieser Mühlenbach
Ort: Talaue zwischen Spiesen und dem Spieser Mühlental
Fläche: rund 1,5 Hektar
Projektart: Gewässerrenaturierung und Ökokonto-Maßnahme
Zentrale Maßnahmen:
- Abflachung der Uferböschungen
- Entwicklung leichter Gewässerschlingen
- Rückbau von Wanderhindernissen im Bachbett
- Schaffung unterschiedlicher Strömungs- und Tiefenbereiche
- Entwicklung flacher Ufer- und Übergangszonen
Ziele und erwartete beziehungsweise bereits sichtbare Wirkungen:
- Verbesserung der Gewässerstruktur
- neue Lebens- und Rückzugsräume
- bessere ökologische Durchgängigkeit
- Verringerung weiterer Tiefenerosion
- Unterstützung des Landschaftswasserhaushalts
- Beitrag zu Klima- und Hochwasserresilienz
- Aufwertung des Landschaftsbildes und des Naherholungsraums
- Bereitstellung anrechenbarer ökologischer Werte
Gewässerrenaturierungen können die Struktur und Durchgängigkeit von Fließgewässern verbessern, natürliche Retentions- und Pufferfunktionen stärken und damit zur Biodiversität sowie zur Klima- und Hochwasserresilienz beitragen.
Über Landschaftsagentur Plus
Landschaftsagentur Plus ist eine 2011 gegründete Flächenagentur und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der RAG Montan Immobilien. Rund 30 Mitarbeitende an den Standorten Datteln, Oberursel und Friedrichsthal entwickeln und realisieren Kompensations-, Renaturierungs- und Artenschutzprojekte. Das Unternehmen ist Mitglied im Bundesverband der Flächenagenturen, BFAD e. V.
Pressekontakt
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